Rhein-Neckar-Talk

Heiko Reidenbach, Blickwinkel Betriebsberatung, Abtsteinach

Krisenmanagement in der Corona-Zeit

Heiko Reidenbach, Inhaber der Blickwinkel Betriebsberatung e.K., Abtsteinach, im Gespräch mit unserem Mittelstandsnetzwerk.

Herr Reidenbach, die aktuelle wirtschaftliche Situation aufgrund des Covid 19-Virus hat viele Unternehmen stark getroffen. Was raten Sie einem Unternehmer in dieser Zeit?

Die Corona-Krise und ihre Folgen trafen die meisten Unternehmen vollkommen unvorbereitet und niemand kann den weiteren Verlauf der Pandemie und ihre mittel- und langfristigen Folgen absehen. Falsch wäre es aber jetzt, den Kopf in den Sand zu stecken und abzuwarten. Ganz im Gegenteil: Unternehmerinnen und Unternehmer sind nun gefordert, aktiv ein Krisenmanagement zu betreiben und Maßnahmenpläne zu erstellen und umzusetzen.

Wie kann ein solches Krisenmanagement aussehen?

Für ganz wichtig halte ich, dass man sich mit der Situation aktiv auseinandersetzt und für sich oder mit seinem Führungskreis ein Worst-Case-Szenario entwickelt. Also: Was ist das Schlimmste, was passieren kann? Und welche Möglichkeiten stehen dann zur Verfügung?

Ziel muss es sein, einen Stufenplan zu erarbeiten.

Der letzte Schritt wäre wohl Personalabbau und damit das Verlieren von Know-How: Es muss festgelegt werden, welche Maßnahmen davor kommen und in welchen Schritten. Welche stufenweise aufgebauten Vorsorge- und Überwachungsmaßnahmen sind vorgesehen, um zu verhindern, dass der letzte Schritt notwendig wird? Wie bauen die einzelnen Stufen aufeinander auf und wie wird jeweils die nächste Alarmstufe ausgelöst?

Das Hauptaugenmerk muss auf der Aufrechterhaltung der Zahlungsfähigkeit, der Liquidität, liegen. Was kann getan werden, um Kosten zu senken und Geldzuflüsse zu generieren? Wie können die wichtigsten Prozesse aufrechterhalten werden?

Können Sie dazu bitte mal ein Beispiel nennen?

Zum Thema Kostensparen sollten zunächst einmal alle kostenwirksamen Projekte, die nicht kurz vor dem Abschluss stehen und nicht unmittelbar zu Krisenbewältigung notwendig sind, gestoppt, bzw. eingefroren werden.

Ebenso gehören dazu natürlich – in Abhängigkeit von der Größe des Unternehmens - ein Einstellungsstopp, die Stornierung von erteilten Aufträgen - sofern dies mit vertretbaren Stornogebühren bzw. Vertragstrafen möglich ist - und auch natürlich Budgetkürzungen und Zurückstellung von Investitionen.

Letztlich geht es bei den Kosteneinsparungen um die schnelle Reduzierung der variablen Kosten.
Zum Thema „Geldzuflüsse generieren“ ist zu prüfen, inwieweit man andere Dienstleistungen anbieten kann und /oder eventuell einen Verkauf per Onlineshop realisiert.

Gutscheinangebote helfen z.B. Gaststätten und Frisören, die Kunden an sich zu binden, um nach dem Ende des Kontaktverbotes Umsätze zu generieren.

Dienstleister können ihren Kunden unter Umständen auch digital weiterhelfen und online Hilfe (Kurse/Beratung o.ä.) anbieten.

Außerdem sollte man sich unbedingt mit den Zuschüssen und den Finanzierungsmöglichkeiten über spezielle Corona-Hilfen des Bundes und der Länder beschäftigen und diese nutzen.

Sie sagten vorhin, man solle sich mit seinem Führungskreis austauschen. Was aber machen die kleineren Unternehmen, denen kein Expertenstab zur Verfügung steht?

Auch hier hat der Bund über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontolle (BAFA) eine spezielle Corona-Förderung geschaffen:

Unternehmen, die aufgrund der Corona-Krise in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten, können sich einer externen Beratung bedienen und sich somit Expertenwissen einkaufen. Diese Beratung ist bis 4.000 Euro kostenlos und wird zu 100 % durch das BAFA gefördert!

Entsprechende Empfehlungen für UnternehmensberaterInnen erhalten sie von Ihrer jeweiligen Kammer. Unnötig zu erwähnen, dass die Firma Blickwinkel beim BAFA als akkreditiertes Beratungsunternehmen zugelassen ist und solche Beratungen durchführen darf.

Haben Sie abschließend noch Tipps für die betroffenen Unternehmer?

Stecken Unternehmen in einer existenziellen Krise, sind meist viele Sofortmaßnahmen umzusetzen. Dadurch besteht die Gefahr, dass man den Blick in die Zukunft verliert.

Diesen braucht man aber, da sich in einer Krise wie dieser u.U. auch der Markt wandelt: z.B. weil sich Kundenbedürfnisse oder gesellschaftliche Rahmenbedingungen ändern oder Mitbewerber vom Markt verschwinden oder ihre Strategien ändern.

Deshalb müssen Unternehmer stets auch die Zeit nach der Krise gedanklich vorwegnehmen, um die Chancen, die sich daraus ergeben, auch aktiv zu nutzen.

Herr Reidenbach, vielen Dank für das Gespräch.

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Dipl.-Betriebswirtin Jutta Peschke

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