Rhein-Neckar-Talk

25.09.2019

Prof. Dr. Irene Bertschek, ZEW Mannheim

Digitalisierung in Deutschland

Prof. Dr. Irene Bertschek, Leiterin des Forschungsbereichs „Digitale Ökonomie“ am ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim, im Gespräch.

Frau Prof. Bertschek, beim ZEW beschäftigen Sie sich mit Digitalisierung. Worum geht es da genau?

Am ZEW befassen wir uns damit, wie die Digitalisierung wirtschaftliche Prozesse verändert. Beispielsweise untersuchen wir, ob Unternehmen durch den Einsatz digitaler Lösungen innovativer und produktiver werden oder warum manche Unternehmen und Branchen besser darin sind, die Digitalisierung zu ihren Gunsten zu nutzen als andere. Diese Fragestellungen analysieren wir mit quantitativen Methoden. Wir wollen die Digitalisierung und ihre ökonomischen Auswirkungen messen. Dazu nutzen wir Daten über Branchen, Unternehmen, Beschäftigte oder internetbasierte Daten.

Wie sieht denn der Digitalisierungsgrad für Deutschland aus?

Im internationalen Vergleich der 28 EU-Länder liegt Deutschland insgesamt betrachtet im Mittelfeld. Der größte Nachholbedarf besteht bei der Digitalisierung der Verwaltung, hier erreicht Deutschland nur Rang 24 von 28.   

Wo stehen die deutschen Unternehmen bei ihrer Digitalisierung?

Unser Wirtschaftsindex DIGITAL misst in einer Zahl, wie es um die Digitalisierung der deutschen Unternehmen steht. Dieser Index erreichte 2018 einen Wert von 54 (von 100 möglichen) Punkten. Jedoch gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den Branchen. Die Informations- und Kommunikationsbranche (IKT) ist klarer Vorreiter der Digitalisierung und liegt mit einem Wert von 74 Punkten 20 Punkte über dem Durchschnitt aller Unternehmen der Gewerblichen Wirtschaft. Überdurchschnittlich sind außerdem die wissensintensiven Dienstleister. Das verarbeitende Gewerbe wie der Maschinen- und Fahrzeugbau befindet sich dagegen noch im Mittelfeld, konnte aber im Vergleich zum Vorjahr deutliche Fortschritte machen. Schlusslicht ist das Gesundheitswesen.

Neben Ihrer Tätigkeit beim ZEW sind Sie noch Professorin für Ökonomie der Digitalisierung an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Wie kam es dazu?

Meine Professur in Kooperation mit dem ZEW befasst sich mit den volkswirtschaftlichen Aspekten der Digitalisierung innerhalb des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften an der Universität Gießen. Weitere Professuren beschäftigen sich mit den betriebswirtschaftlichen Aspekten und mit Data Science. Digitalisierung ist ohne professionelle Datenanalyse und -interpretation nicht denkbar. Statistik und Ökonometrie sind daher Schlüsselkompetenzfelder. Alle diese Felder bündelt die Universität Gießen.

Seit Mai 2019 sind Sie zudem Mitglied der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) der Bundesregierung. Was verbirgt sich dahinter?

Die Expertenkommission Forschung und Innovation leistet wissenschaftliche Politikberatung und legt dazu jährliche Gutachten zu Forschung, Innovation und technologischer Leistungsfähigkeit Deutschlands vor. Außerdem bewertet sie die Perspektiven des Forschungs-und Innovationsstandortes Deutschland und spricht Handlungsempfehlungen für die nationale Forschungs-und Innovationspolitik aus. Die Digitalisierung ist für die Arbeit der EFI relevant, da sie zum kritischen Faktor für den Innovationserfolg von Unternehmen geworden ist.

Wir bedanken uns für das Gespräch Frau Prof. Bertschek.

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