31.05.2018

Immaterielles Vermögen bilanzieren

Auswirkungen der Digitalisierung auf die Rechnungslegung

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Die Digitalisierung hat nicht nur Auswirkungen auf die Produktion- und Arbeitsabläufe. Sie hat auch enormen Einfluss auf die Rechnungslegung. Investitionen in selbst erstellte immaterielle Vermögensgegenstände, wie beispielsweise Software für digitale Lösungen oder Patente, dürfen nach HGB aktiviert werden. Dieses Wahlrecht erfolgte bereits mit dem BilMoG und soll dazu führen, dass auch innovative Unternehmen die Möglichkeit haben, ihre Außendarstellung durch die Aktivierung ihrer Entwicklungsarbeiten zu verbessern. Ein Aktivierungsverbot besteht aber nach wie vor für selbst geschaffene Marken, Drucktitel, Verlagsrechte, Kundenlisten oder vergleichbare Rechte des Anlagevermögens.

Bilanzansatz und -bewertung

Ob ein selbst hergestellter immaterieller Vermögensgegenstand beim Bilanzierenden gegeben ist, hängt entscheidend davon ab, ob er das Herstellerrisiko getragen hat. 

Die Zugangsbewertung erfolgt in der Handelsbilanz mit den Herstellungskosten, die jedoch auf Entwicklungsaufwendungen beschränkt sind. Kosten für Forschung sind nicht bilanzierungsfähig. Ist eine genaue Abgrenzung zwischen Forschung und Entwicklung nicht möglich, entfällt das Aktivierungswahlrecht. Die Folgebewertung der aktivierten Vermögensgegenstände richtet sich nach den allgemeinen Bilanzierungsgrundsätzen, womit in der Regel eine planmäßige Abschreibung über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer erfolgt.

In Ihrer Steuerbilanz gilt für selbst geschaffene immaterielle Vermögensgegenstände nach wie vor ein Aktivierungsverbot. Die Aktivierung in der Handelsbilanz führt daher zu passiven latenten Steuern in der Handelsbilanz.

Ausschüttungssperre und Anhangangaben

Wenn Sie Ihre selbst geschaffenen immateriellen Vermögensgegenstände des Anlagevermögens aktivieren, besteht bei Kapitalgesellschaften sowie GmbH & Co. KGs eine Ausschüttungssperre in Höhe der aktivierten Beträge. Dadurch wird dem Gläubigerschutz Rechnung getragen.

Ferner sind zusätzliche Angaben im Anhang erforderlich. So sind der Gesamtbetrag Ihrer Forschungs- und Entwicklungskosten des Jahres, der davon auf selbst geschaffene immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens entfallende Anteil sowie der Gesamtbetrag der ausschüttungsgesperrten Beträge anzugeben.

Schwierigkeiten mit der Abgrenzung

Das Aktivierungswahlrecht eröffnet Ihnen eine weitere Möglichkeit zur Bilanzpolitik. Allerdings wirft die Umsetzung in der Praxis viele Fragen auf, da u.a. die Abgrenzung von Forschungs- und Entwicklungskosten durchaus problematisch sein kann. Darüber hinaus ist für die Aktivierung erforderlich, dass mit der Entwicklung ein Vermögensgegenstand entsteht, der eine langfristige Wertschöpfung für das Unternehmen gewährleistet und nachvollziehbar zu Umsätzen mit Produkten oder Dienstleistungen beiträgt.

Nicht umsonst sind nach IFRS nur solche, in der Entwicklungsphase geschaffenen Vermögensvorteile zu aktivieren, die - neben anderen Kriterien - auch nachweisbar vom Unternehmen verkauft oder genutzt werden können.

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